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Statt einer Taufansprache: Gedanken zur Taufe Teil 2

Taufe – Versöhnung – Freundschaft

Von Bruder S.B.R.. (Die nachfolgenden Erörterungen entsprechen unserer Erkenntnis und unserem derzeitigen biblischen Verständnis, und erheben nicht den Anspruch in allen Punkten richtig zu sein. Sie möchten zum Nachdenken anregen. Für Fehler in Wortgrammatik, Wortbildung, Satzgrammatik und Rechtschreibung möchten wir uns entschuldigen. Wir hoffen dennoch, dass die Gedanken verstanden werden.

Lieber Bruder, liebe Schwester

Dein Wunsch getauft zu werden erfreut unser Herz. Wir empfinden viel Freude, weil Du dieses wunderbare Geschenk des Christus, die Taufe in seinem Namen, angenommen und den glaubensvollen Weg in die Nähe unseres Vaters in den Himmeln für Dich gefunden hast.

Wir freuen uns mit Dir, weil uns Dein Wunsch zeigt, dass der Geist unseres Vaters und des Christus schon in Dir wirksam geworden ist. Deine Taufe ist ein sichtbarer Ausdruck der Versöhnung mit Gott. Denn Jehova Gott hat Dich erkennen lassen, dass nur im Namen seines Sohnes Frieden mit ihm, deinem himmlischen Vater zu finden ist.

“Jesus Christus und sonst niemand kann die Rettung bringen. Auf der ganzen Welt hat Gott keinen anderen Namen bekannt gemacht, durch den wir gerettet werden könnten.” Apostelgeschiche 4,12 (Gute Nachricht Bibel)

Die Errettung, von der Petrus hier spricht, hat viel mit dem Frieden Gottes zu tun. Denn der Frieden mit Gott setzt die Errettung von Schuld voraus. Wir lesen im ersten Kapitel des Matthäusevangeliums im Vers 21:

Sie wird aber einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk erretten von ihren Sünden.” (Schlachter)

Die von Jesus eingesetzte Wassertaufe, die Du im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes nun erfahren wirst, symbolisiert Dein ganz persönliches Bekenntnis und Zeugnis für den Christus und den Willen Gottes. Sie ist ein öffentlicher Ausdruck Deines Glaubens, der inwendig in Dir schon lebendig geworden ist. Du hast erkannt und Du glaubst, dass der Vater Dir Deine Sünden als Folge Deines unvollkommenen Seins durch das Loskaufsopfer seines Sohnes getilgt hat. Und Dich, mein lieber Bruder, meine liebe Schwester, hat Jesus durch seine Auferstehung vor dem Angesicht Gottes, unseres himmlischen Vaters, gerecht gesprochen. Die Gnade unseres Vaters, die er uns durch seinen Sohn Jesus Christus geschenkt hat, macht es Dir nun möglich, Deine Taufe, wie in 1. Petrus 3,21 beschrieben, als “Zeugnis eines guten Gewissens vor Gott durch die Auferstehung Jesu Christi”(Schlachter) zu schätzen.

So möchten wir mit Dir in die Dankesworte des Paulus einstimmen, wie wir sie in 1. Korinther 1, 4-9 lesen können:

“Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch in Christus Jesus gegeben ist, daß ihr in allem reich gemacht worden seid in ihm, in allem Wort und in aller Erkenntnis, wie denn das Zeugnis von Christus in euch gefestigt worden ist, so daß ihr keinen Mangel habt an irgendeiner Gnadengabe, während ihr die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus erwartet, der euch auch fest machen wird bis ans Ende, so daß ihr unverklagbar seid am Tag unseres Herrn Jesus Christus. Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus ,unserem Herrn.” (Schlachter)

Das griechische Wort für “taufen”: baptizein, von baptein = tauchen, eintauchen abgeleitet, bedeutet untertauchen. Die Taufe ist ein Symbol, ein äußeres Zeichen für eine Sinnesänderung, ein Bild vollständiger Reinigung. Wir lesen in Markus 1,4

“Laßt euch taufen und fangt ein neues Leben an, dann wird Gott euch eure Schuld vergeben!”(Gute Nachricht)

predigte schon Johannes, der Täufer, zu einer Zeit, als die christliche Taufe noch nicht eingeführt war. Dennoch brachte die Taufe des Johannes gläubige Juden zu dieser Zeit in Verbindung mit der Gnade Gottes, die durch den Messias möglich werden sollte. In Apostelgeschichte 2,38 ruft Petrus den Juden zu:

“Kehrt jetzt um und macht einen neuen Anfang! Lasst euch alle auf den Namen Jesu Christi taufen! Dann wird Gott euch eure Schuld vergeben und euch seinen heiligen Geist schenken” (Gute Nachricht)

Die umfassende geistliche Bedeutung der christlichen Wassertaufe können wir erst mit Blick auf unseren gestorbenen und auferstandenen Herrn erfahren. Zudem bringt das Wort Gottes die Taufe auch immer wieder mit dem Geist des Herrn in Verbindung. Nur dieser Geist ermöglicht es Dir, die Gnade Gottes in ihrer tieferen Bedeutung wirklich erfahren zu können. Dieser Geist des Christus bringt Dich heute, wie die Brüder der damaligen Zeit in die Nähe des Vaters und macht Dich zu einem aufrichtigen Glied des Leibes Christi. Du schätzt, was der Christus für Dich getan hat. Du bist ein gern gesehener Gast am Tische des Christus und du gedenkst der Leiden, die der Christus für Dich auf sich genommen hat.

Mein lieber Bruder, meine liebe Schwester,

Du bekennst mit Deiner Taufe hier nun auch vor Der Gemeinde des Herrn Deinen persönlichen Wunsch, Dein Leben nun fortan nach den Worten und Geboten des Herrn auszurichten. Dadurch dass Du den Christus in Dein Leben aufgenommen hast, hast Du Dich mit dem Vater versöhnt. (Johannes 13,20) Du bist ein Freund des Christus, und als Kind Gottes nun auch ein Teil seiner Familie, ein Teil der Gemeinde des Herrn.

Deine Wassertaufe ist von Christus selbst, persönlich nach seiner Auferstehung als Notwendigkeit öffentlichen Bekennens eingesetzt worden (Matthäus 28, 19 -20). Sie ist ein Zeichen dafür, wodurch sich die Nachfolger Jesu untereinander zu erkennen geben und ihre Freundschaft zu ihm auch äußerlich bekennen, damit die Getauften wissen, dass sie von ihren Brüdern und Schwestern in der Gemeinde christliche, brüderliche Liebe erfahren und erwarten dürfen. Die christliche, heilige Gemeinde, von Jesus selbst nach seiner Auferstehung eingerichtet, wird neben der gelebten Liebe nun auch durch das äußerliche Zeichen der Taufe vor der Welt offenbar. Deine Taufe ist kein formaler Akt, mit der Du Deine Loyalität zu einer menschlichen Führerschaft oder einer organisierten religiösen Gemeinschaft bekennst. Nein, Sie ist der ganz persönliche Ausdruck Deines Glaubens vor Gott und dem Christus. Du bist niemanden, außer dem Christus, für irgendetwas Rechenschaft schuldig. Als Glied der Familie Jesu bist Du ein Nachfolger Christi. Deine Lebensführung ist Dein Zeugnis. Niemand anderes, kein Mensch auf dieser Erde darf dieses öffentliche Bekenntnis für Gehorsams- oder Loyalitätsforderungen menschlichen Organisationen gegenüber oder in Verbindung mit christusfernen und selbstherrlichen Gedanken missbrauchen und die Mittlerrolle des Christus damit entwerten. Niemand, kein Mensch auf dieser Erde, darf dieses persönliche Verhältnis in Frage stellen. Der Herr selbst bestimmt, wer zu seiner Familie gehört.

Mit der Hilfe des Geistes des Herrn wird es Dir gelingen, Deine Freundschaft zum Christus stetig zu vertiefen. Er selbst wird Dir beistehen, wie es die Worte des Paulus an die Epheser so treffend bezeugen:

“Dadurch werden wir im Glauben immer mehr eins werden und den Sohn Gottes immer besser kennen lernen. Wir sollen zu mündigen Christen heranreifen, zu einer Gemeinde, in der Christus mit der ganzen Fülle seiner Gaben wirkt. Dann sind wir nicht länger wie unmündige Kinder, die sich von jeder beliebigen Lehrmeinung aus der Bahn werfen lassen und die leicht auf geschickte Täuschungsmanöver hinterlistiger Menschen hereinfallen. Stattdessen wollen wir die Wahrheit in Liebe leben und zu Christus hinwachsen, dem Haupt der Gemeinde.” Epheser 4, 13-15 (Hoffnung für alle)

Dein Wunsch, getauft zu werden, Dein Glauben, Dein Leben in Christus, sind genug Zeugnis dafür, dass der Geist des Vaters mit Dir ist. Du bist geistig gesehen nur mit Deinem Herrn Jesus Christus verbunden. Nur diese persönliche Verbindung macht die christliche Gemeinde erst möglich. Diese Verbindung bringt die Gemeinde in die Nähe des Vaters. Denn die vielen in Christus verbinden sich zu einer liebevollen Einheit. Ihre gottzugewandte Haltung ist ein Ausdruck dafür, dass der Herr mit jedem Einzelnen und in diesem Sinne mit der ganzen Gemeinde ist. So wie es die Worte des Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther in den Versen 12 bis 13 (Schlachter) bezeugen:

“Denn gleich wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des einen Leibes aber, obwohl es viele sind, als Leib eins sind, so auch der Christus. Denn wir sind ja alle durch einen Geist in einen Leib hinein getauft worden, ob wir Juden sind oder Griechen, Knechte oder Freie, und wir sind alle getränkt worden zu einem Geist.”

Nur Jesus Christus ermöglicht Versöhnung und bringt Dich, lieber Bruder, liebe Schwester in ein annehmbares Verhältnis zu Jehova:

“Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; und ihr seid zur Fülle gebracht in ihm, der das Haupt jeder Herrschaft und Gewalt ist. In ihm seid ihr auch beschnitten mit einer Beschneidung, die nicht von Menschenhand geschehen ist, durch das Ablegen des fleischlichen Leibes der Sünden, in der Beschneidung des Christus, da ihr mit ihm begraben seid in der Taufe. In ihm seid ihr auch mitauferweckt worden durch den Glauben an die Kraftwirkung Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat. Er hat auch euch, die ihr tot wart in den Übertretungen und dem unbeschnittenen Zustand eures Fleisches, mit ihm lebendig gemacht, indem er euch alle Übertretungen vergab; und er hat die gegen uns gerichtete Schuldschrift ausgelöscht, die durch Satzungen uns entgegenstand, und hat sie aus dem Weg geschafft,indem er sie ans Kreuz heftete.” Kolosser 2,9-14 (Schlachter)

Die Taufe im Namen des Christus und die damit verbundene Gnade unseres Vaters Jehova ist das kostbarste was wir Menschen als Geschenk erhalten können. Wenn am Anfang des 4. Kapitels des Epheserbriefes die durch den Geist Christi geschaffene Einheit beschrieben wird, dann ist hier nicht nur von einem Leib und einem Geist, sondern auch von einem Herrn die Rede.

“Es gibt für euch nur einen Herrn, nur einen Glauben und nur eine Taufe. Und ihr kennt nun den einen Gott, den Vater von allem, was lebt. Er steht über allen. Er wirkt durch alle und in alle.” Epheser 4,5-6 (Gute Nachricht)

Dein Herr Jesus bringt dir Frieden, der von Gott kommt und verbindet dich in Frieden mit Deinen Brüdern. Es gibt keinen anderen Mittler. Es gibt keinen anderen Herrn der Gemeinde. Denn Jesus selbst sagt:

“Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben! Ohne mich kann niemand zum Vater kommen” Johannes 14,6 (Hoffnung für alle)

Und Paulus selbst verkündet, dass der Geist des Christus in jedem einzelnen wohnt. Der Geist des Christus ist die Basis Deines Christseins.

“Ihr alle seid ein Leib, in euch allen lebt ein Geist, ihr habt alle eine Hoffnung, die euch Gott gegeben hat, als er euch in seine Gemeinde rief.” Epheser 4,4 (Gute Nachricht)

Wir heißen Dich herzlich willkommen in der Gemeinde des Herrn. Wir freuen uns mit Dir, wünschen Dir den Segen und den Geist unseres Herrn. Zu Deiner Taufe möchten wir uns gemeinsam mit Dir an den Worten des Paulus an die Philipper erfreuen:

“Freut euch im Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch! Eure Milde soll allen Menschen bekannt werden; der Herr ist nahe. Seid um nichts besorgt, sondern in allem sollen durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus.” Philipper 4,4-7 (rev. Elberfelder)

Möge der Christus und der Vater mit Dir sein!

 

 

 

Gedanken zur Taufe Teil 1

“In was

bist DU getauft worden?”

Von Bruder R.F. (Die nachfolgenden Erörterungen entsprechen unserer Erkenntnis und unserem derzeitigen biblischen Verständnis, und erheben nicht den Anspruch in allen Punkten richtig zu sein. Sie möchten zum Nachdenken anregen. Für Fehler in Wortgrammatik, Wortbildung, Satzgrammatik und Rechtschreibung möchten wir uns entschuldigen. Wir hoffen dennoch, dass die Gedanken verstanden werden.

Würde der Apostel Paulus heute noch leben und uns vielleicht sogar begegnen, dann könnte es sein, dass er dir und mir diese Frage stellen würde. Er hatte diese Frage vor ca. 2000 Jahren an Christen in Ephesus gerichtet, die “gläubig geworden waren”:

»Was für eine Taufe ist denn an euch vollzogen worden?«, wollte Paulus wissen. »Die Taufe des Johannes«, erwiderten sie.
(Apg. 19:3, Neue Genfer Ü.)

Die Antwort, die Paulus auf seine Frage nach der Taufe bekam, verdient bestimmt eine nähere Untersuchung. Dabei sollen drei Fragen im Mittelpunkt stehen:

Warum die “Taufe des Johannes”?

Was meinten die Epheser-Christen damit?

War diese Taufe gleichbedeutend mit der Taufe wie sie in Matth. 28:19 Jesus Christus beschrieb?

Gehen wir einmal zurück zu dem ersten Bericht über eine Wassertaufe, die in der Bibel aufgezeichnet ist.

“In jener Zeit trat Johannes der Täufer in der Wüste von Judäa auf und verkündete: »Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.« (…) Die Einwohner Jerusalems sowie die Bevölkerung von ganz Judäa und von der gesamten Jordangegend gingen zu ihm in die Wüste; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.”
(Matthäus 3:1-6, Neue Genfer Ü.)

Aus dem Kontext aller vier Evangelien-Schreiber geht hervor, dass dieser Johannes (in dieser Betrachtung ist ausschließlich von “Johannes dem Täufer” die Rede) in der Zeit als Jesus mit seiner Familie in Nazareth lebte, bereits taufte. Er tat dies nicht aus eigenen Überlegungen heraus oder aufgrund eines Studiums der hebräischen Schriften. Die Juden kannten bis dahin die Wassertaufe nicht. Er wurde für diese Tätigkeit von Jehova Gott “abgesondert” bzw. “vorherbestimmt”, wie aus dem Bibelbericht in Lukas 1:12-17 und Joh. 1:6-8 hervorgeht.

Erst als Jesus das Alter von ca. 30 Jahren erreichte, ließ er sich selbst von diesem Johannes taufen:

“Auch Jesus kam aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes wehrte sich entschieden dagegen: »Ich hätte es nötig, mich von dir taufen zu lassen, und du kommst zu mir?« Aber Jesus gab ihm zur Antwort: »Lass es für diesmal geschehen! Es ist richtig so, denn wir sollen alles erfüllen, was Gottes Gerechtigkeit fordert.« Da willigte Johannes ein.”

(Matthäus 3:13-15, Neue Genfer Ü.)

Der Einwand von Johannes, dass er nicht dazu befugt gewesen wäre, an Gottes Sohn die Wassertaufe zu vollziehen, war absolut berechtigt. Er war sich dessen bewusst, dass auf dem verheißenen Messias keine Sünde läge, die es zu bereuen galt und doch überzeugte ihn Jesus, die Taufe durchzuführen. Ein weiterer Demutsbeweis unseres Herrn Jesus, der seines gleichen sucht.

Hörte nach Jesu Wassertaufe Johannes damit auf Menschen zu taufen?

Danach kamen Jesus und seine Jünger in das Land Judäa, und dort verweilte er mit ihnen und taufte. Aber auch Johannes taufte zu Änon, nahe bei Salim, weil dort viel Wasser war; und sie kamen hin und wurden getauft. Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis geworfen. (…)  Ihr selbst gebt mir Zeugnis, dass ich sagte: Ich bin nicht der Christus, sondern ich bin vor ihm hergesandt. Der die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dasteht und ihn hört, ist hoch erfreut über die Stimme des Bräutigams; diese meine Freude nun ist erfüllt. Er muss wachsen, ich aber abnehmen.

(Johannes 3:22-30, Elberfelder)

Für eine gewisse Zeit tauften also sowohl Jesus (nicht er selbst sondern seine Jünger – Joh. 4:2) als auch Johannes Menschen jüdischer Abstammung. Von Taufen nichtjüdischer Personen wird zu diesem Zeitpunkt noch nichts erwähnt. Doch Johannes wies seine Jünger darauf hin, dass mit dem Erscheinen des Messias, seine Tätigkeit im “abnehmen” begriffen war. An allen Stellen der Evangelien, in denen der Beginn der Tätigkeit des Johannes beschrieben wird (Matth. 3:1-3, Mark. 1:1-4, Luk. 3:3-5, Joh. 1:22,23) bezieht sich der entsprechende Schreiber auf die Worte aus Jesaja 40:3, wo es heißt:

Hört! In der Wüste ruft eine Stimme: / “Bahnt Jahwe einen Weg! / Baut eine Straße für unseren Gott! (Neue evangelistische Ü.)

Er verstand sich als dieser “Wegbereiter”, der den Weg “Jahwes” bahnt, natürlich in übertragenem Sinne, denn nur Jesus war durch seine einzigartige himmlische Stellung und seine göttliche Wesensart (Joh. 1:1-5), dazu berechtigt, gewissermaßen “für” Jehova auf die Erde zu kommen. Demnach erfüllten sich in der Tätigkeit des Johannes als “Täufer” und der späteren Taufe Jesu, die oben zitierten Verse. Nach dieser “Wegbereitung” sollte der Messias allerdings eine Taufe “einführen”, die viel umfassender wäre als die Taufe des Johannes (vgl. Luk. 1:76-80)

“Am folgenden Tag sieht er [Johannes]
Jesus zu sich kommen
und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt! Dieser ist es, von dem ich sagte: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir ist, denn er war eher als ich. Und ich kannte ihn nicht; aber damit er Israel offenbar werde, deswegen bin ich gekommen, mit Wasser zu taufen. Und Johannes bezeugte und sprach: Ich schaute den Geist wie eine Taube aus dem Himmel herabfahren, und er blieb auf ihm. Und ich kannte ihn nicht; aber der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Auf welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, dieser ist es, der mit Heiligem Geist tauft. Und ich habe gesehen und habe bezeugt, dass dieser der Sohn Gottes ist.”


(Johannes 1:29-34, Elberfelder)

Interessant ist hierbei, dass die Taufe “mit heiligem Geist” erst von Jesus Christus selbst erwähnt wurde, als er sich kurz vor seiner Himmelfahrt von seinen Jüngern verabschiedete (Matth. 28:19). Das könnte bedeuten, dass vor dem Opfertod Jesu keine Taufe “mit heiligem Geist” stattfand.

Wenn wir jetzt gedanklich zu den eingangs erwähnten Epheser-Christen zurück gehen, dann kann man durch den Kontext aus Apostelgeschichte Kap. 18 und 19
zu dem Schluss kommen, dass auch weiterhin diese “Taufe des Johannes” praktiziert wurde und das noch viele Jahre nach Jesu Predigt- und Lehrtätigkeit sowie seiner Himmelfahrt.

“Während Apollos in Korinth war, zog Paulus durch das ´kleinasiatische` Hochland und dann ´zur Küste` hinunter nach Ephesus. Dort traf er auf eine Gruppe von Jüngern, ´die seine Aufmerksamkeit auf sich zogen`. »Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr zum Glauben gekommen seid?«, fragte er sie. »Den Heiligen Geist empfangen?«, entgegneten sie. »Wir haben nicht einmal gehört, dass der Heilige Geist schon gekommen ist!« – »Was für eine Taufe ist denn an euch vollzogen worden?«, wollte Paulus wissen. »Die Taufe des Johannes«, erwiderten sie
(Apg. 19:1-3, Neue Genfer Ü.)

Die Epheser-Christen wussten weder etwas vom heiligen Geist, noch wussten sie etwas über die Taufe “in Jesus”. Das konnten sie auch nicht, denn beides hing miteinander zusammen, wie wir gelesen haben. Auf dem gleichen Erkenntnis-Stand war auch ein gesetzeskundiger Nachfolger Christi Namens “Apollos”, der ein gebürtiger Jude war und von Alexandria nach Ephesus kam. Er war zwar ein guter “sorgfältiger Lehrer über Christus Jesus”
(Apg. 18:25, Elberfelder), doch auch er kannte nur die Taufe des Johannes.

Durch biblische Aufzeichnungen erfahren wir nur sehr wenig darüber, ob sich die Jünger, die sich von Johannes taufen ließen oder “in Johannes” getauft wurden, nach dem Erscheinen des Messias, ihre Taufe sozusagen erneuerten und sich nochmals “in Jesus” tauften. Bei den Epheser-Christen war dies nach dem zweiten Besuch des Apostels Paulus in Ephesus der Fall. Wäre es aber unbedingt für alle notwendig gewesen, dann hätte Jesus sicherlich Johannes sofort darauf aufmerksam gemacht, dass dessen Taufe von nun an überflüssig sei. Am Beispiel der Epheser-Christen sehen wir allerdings, dass der Taufe “im Namen Jesu” eine besondere Bedeutung und Wirkung hatte, die über die des Johannes weit hinaus ging. Johannes selbst wusste dies und Paulus machte diesen Punkt seinen Brüdern auch deutlich:

“Da sagte Paulus: »Johannes rief das israelitische Volk zur Umkehr auf und taufte die, die seinem Aufruf folgten. Aber er verband damit die Aufforderung, an den zu glauben, der nach ihm kommen würde, nämlich an Jesus.«  Als sie das hörten, ließen sie sich auf den Namen von Jesus, dem Herrn, taufen.”

(Apg. 19:4,5, Neue Genfer Ü.)

Die Taufe des Johannes war ein Art “Vorbote” eine Vorbereitung auf das was nach dieser Taufe käme, nämlich Christus Jesus, das “Mittel zu Rettung” (Apg. 28:28). Die Taufe “im Namen von Jesus”, also auf ihn bezogen, schuf damals wie heute die Verbindung zur Weisung Jesu an seine Jünger, als er sie zur Missionierung aussandte (nach Opfertod und Auferstehung):

“Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes”
(Matthäus 28:19, Neue Genfer Ü.)

Man könnte auch sagen, dass die Taufe “in Jesus” die Taufe “Vater, Sohn, Heiliger Geist” vereint. Das ist verkürzt ausgedrückt, was Paulus die Epheser lehrte, als er mit ihnen die “Taufe in Jesus” vollzog. Er wiederholte weder bei ihnen noch bei anderen Gelegenheiten die Taufformel gem. Matth. 28:19.

“Wir haben einen
Herrn, einen Glauben und eine
Taufe
.”

(Eph. 4:5, Hoffnung für Alle)

Die Grundlage unseres Glaubens und unserer Hoffnung ist die Taufe “in Jesus Christus” (oder “auf” Jesus Christus). Es kann keine andere Taufe geben, die auch nur ansatzweise diese Bedeutung hätte. Das gilt auch für uns als Anbeter Jehovas und “Nachfolger Christi” heute.

Natürlich ist die Taufhandlung an sich, also das Untertauchen in Wasser, ein Symbol, das für etwas viel Größeres steht, was nicht zuletzt in 1. Petrus 3:21 zum Ausdruck kommt. Leider kommt der dort erwähnte zentrale Bestandteil, sozusagen der “Kern” des “Christseins”, bei uns Zeugen Jehovas kaum zum Tragen. (Im Teil 2 wird dieser grundlegende Aspekt etwas eingehender beleuchtet)

In Anbetracht der Schilderungen in den Evangelien und den Paulusbriefen über die Taufe im 1. Jhdt., findet auf unseren Kongressen immer wieder ein etwas befremdlicher Vorgang statt, der mit der Bibel leider wenig zu tun hat.

In der ersten Reihe auf unseren Kongressen, nehmen die bis dahin “ungetauften” Verkündiger Platz, die zum Schluss einer sog. “Taufansprache” aufstehen müssen um ein “öffentliches Gelöbnis” abzulegen. Sie sind die “Taufbewerber” (“Taufanwärter”). Allein schon der Begriff als solcher ist abwertend und anmaßend zugleich und soll die Betreffenden wohl ständig an ihre abhängige Position erinnern, die sie gegenüber denjenigen inne haben, die über ihre “Bewerbung” befinden. Niemand kann sich bei Jesus Christus oder unserem Schöpfer zur Taufe “bewerben” wie bei einem Unternehmen. Auch hier haben wir eine bibelfremde Wortschöpfung, die zum emotionslosen Formalismus passt, der sich wie ein roter Faden durch die ganze Lehr- und Glaubenspraxis der WTG zieht. Die christliche Wassertaufe als “Endergebnis” einer Wissensvermittlung durch Publikationen der WTG, dargereicht und abgefragt durch ein Komitee von 3 Ältesten, die zusammen mit der Ältestenschaft der Ortsversammlung über die “Zulassung” des “Bewerbers” zur christlichen Wassertaufe entscheiden.

Diesem ganzen Bewerbungslauf eines “Taufanwärters”, wird durch den “treuen und verständigen Sklaven” noch die Krone aufgesetzt, indem man ihm z.B. im Wachtturm Schwarz auf Weiß verdeutlicht, was der Betreffende durch Hingabe und Taufe Jehova verspricht:

“Deine Hingabe [und Taufe] ist die allerwichtigste Entscheidung in deinem Leben. Es ist so, als würdest du sagen: “Jehova, ich möchte, dass du der Herr über mich und mein Leben bist. Ich möchte dein Diener sein. Möchte, dass du bestimmst, wie ich meine Zeit nutze, welche Prioritäten ich setzte und wie ich meine Fähigkeiten und Mittel einbringe.” (Wt 15.06.12 S. 20, Abs. 1 + Titelbild “Taufe”)

Weil der Autor dieses WT-Artikels wohl vergeblich nach einem biblischen Beleg für ein sog. “Hingabeversprechen” für “taufwillige” Menschen suchte, wurde auf Zitate aus Gottes Wort komplett verzichtet und ein frei erfundenes “Versprechen” des Täuflings gegenüber Jehova verfasst. Natürlich ist es lobenswert, wenn man Jehova ganz persönlich etwas verspricht und auch dazu steht. Dies ist Sache jedes Einzelnen und geht nur ihn und Jehova etwas an. Doch hier haben wir es mit einem fremdverfassten “Gelübde” zu tun, das augenscheinlich nur ein Ziel hat: Hingabe und Taufe in direkte Verbindung mit einem Leistungsversprechen, im Hinblick auf “Zeit”, Lebens-”Prioritäten”, “Fähigkeiten” und finanziellen “Mitteln”, zu bringen. Es existiert auch keine Bibelstelle, die zeigt, dass es im 1. Jhdt. eine Kombination zwischen einer sog. “Hingabe” und der christlichen Wassertaufe gab.

Um nun den eigentlichen “Taufakt” auf unseren Kongressen organisationskonform abzurunden muss jeder Taufredner, nachdem die “Taufbewerber” zwei Fragen mit “Ja” beantwortet haben, folgenden Satz wortgetreu vorlesen:

“Eure deutlichen und zustimmenden Antworten auf diese Fragen (Tauffragen) lassen erkennen, dass ihr die Voraussetzungen erfüllt, getauft und dadurch als Diener Gottes ordiniert zu werden”

Nur um dies deutlich zu machen: Jeder Taufredner auf den Kongressen sagt öffentlich, dass durch die Bejahung der Tauffragen, der “Bewerber” von nun an die “Voraussetzungen” erfüllt um als Diener Gottes getauft bzw. “ordiniert” zu werden. Es ist eigentlich selbstredend, dass dieser abschließende Satz des Taufredners genauso wie die zweite Tauffrage, keinerlei biblische Grundlage hat. Den Begriff der “Ordination” kennt die Bibel in diesem Zusammenhang natürlich nicht und außerdem ist er überwiegend in den großen Kirchen gebräuchlich, die Bischöfe und Priester “ordinieren” (d.h. “weihen”).

Was sind eigentlich die biblischen “Voraussetzungen” um getauft zu werden und wie lange dauerte es im 1. Jhdt. bis jemand sich taufen lassen konnte? Diese Frage zu beantworten ist verhältnismäßig einfach und für viele Brüder vielleicht auch etwas überraschend. Gleichzeitig offenbart sich hierbei eine Diskrepanz zur Lehr- und Glaubenspraxis bei uns Zeugen Jehovas, die nichts weniger als “Welten” voneinander trennt.

Schauen wir uns nur einmal das sehr bekannte Beispiel des äthiopischen Eunuchen an:

Philippus aber bekam von einem Engel des Herrn folgenden Auftrag: »Mach dich auf den Weg in Richtung Süden! Benutze die einsame Wüstenstraße, die von Jerusalem nach Gaza hinunterführt.« Philippus machte sich auf den Weg; und als er diese Straße entlangging, kam dort in seinem Reisewagen ein Äthiopier gefahren, ein Eunuch. Es handelte sich um einen hohen Würdenträger, den Finanzminister der Kandake, der äthiopischen Königin. Der Mann war in Jerusalem gewesen, um ´den Gott Israels` anzubeten, und befand sich jetzt auf der Rückreise. Er saß in seinem Wagen und las im Buch des Propheten Jesaja. Der ´Heilige` Geist sagte zu Philippus: »Geh zu dem Wagen dort und halte dich dicht neben ihm!« Philippus lief hin, und als er neben dem Wagen herging, hörte er den Mann laut aus dem Buch des Propheten Jesaja lesen. (…) Da ergriff Philippus
die Gelegenheit und erklärte ihm, von dieser Schriftstelle ausgehend, das Evangelium von Jesus. Als sie nun, ´ins Gespräch vertieft,` die Straße entlangfuhren, kamen sie an einer Wasserstelle vorbei. »Hier ist Wasser!«, rief der Äthiopier. »Spricht etwas dagegen, dass ich getauft werde?« Und er befahl, den Wagen anzuhalten. Beide, Philippus und der Äthiopier, stiegen ins Wasser, und Philippus taufte den Mann.”
(Apg. 8:26-38, Neue Genfer Ü.)

Natürlich wissen wir nicht wie lange die Unterredung zwischen dem Eunuchen und Philippus dauerte, doch Tage können es nicht gewesen sein, die sie auf der Pferdekutsche verbrachten. Es war eher eine Sache von Stunden. Philippus verkündigte die “Botschaft über Jesus” und bestimmt auch die damit zusammenhängende Wassertaufe, als Symbol des Reinwaschens von Sünde. Was war die Reaktion des Eunuchen? Er wollte sich ganz spontan und ohne Verzögerung taufen lassen.

Eine weitere Gelegenheit, die uns interessante Einblicke in die Taufpraxis des 1. Jhdt. gibt, ist folgende:

“Gegen Mitternacht beteten Paulus und Silas; sie priesen Gott mit Lobliedern, und die Mitgefangenen hörten ihnen zu. Plötzlich bebte die Erde so heftig, dass das Gebäude bis in seine Grundmauern erschüttert wurde. Im selben Augenblick sprangen sämtliche Türen auf, und die Ketten aller Gefangenen fielen zu Boden. Der Aufseher fuhr aus dem Schlaf hoch, und als er die Türen des Gefängnisses offenstehen sah, zog er sein Schwert und wollte sich töten, denn er dachte, die Gefangenen seien geflohen. Doch Paulus rief, so laut er konnte: »Tu dir nichts an! Wir sind alle noch hier!« Da ließ der Aufseher Fackeln bringen, stürzte in das Gefängnis und warf sich zitternd vor Paulus und Silas zu Boden. Während er sie dann nach draußen führte, fragte er sie: »Ihr Herren, was muss ich tun, damit ich gerettet werde?« Sie antworteten: »Glaube an Jesus, den Herrn, und du wirst gerettet werden, du und alle, die in deinem Haus leben!« Und sie verkündeten ihm und allen, die bei ihm im Haus wohnten, die Botschaft des Herrn. Der Gefängnisaufseher kümmerte sich noch in derselben Stunde, mitten in der Nacht, um Paulus und Silas und wusch ihnen das Blut von den Striemen ab. Dann ließen sich er und alle, die zu ihm gehörten, ohne zu zögern taufen.”

(Apg. 16:25-33, Neue Genfer Ü.)

Es ist könnte gut sein, dass dieser Gefängnisaufseher in Philippi schon einige Gerüchte über diese jüdischen Fremden gehört hatte, als er sie unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen einsperrte. Am Anfang stand das Wunder des Erdbebens. Die Gefängnistüren waren offen und der Aufseher, war jetzt erst wach geworden. Die Gefangen entkommen zu lassen muss für ihn ein unerträglich schmachvoller Gedanke gewesen sein, deshalb sein Selbstmordversuch. Als er bemerkte, dass die beiden Männer noch immer in ihren Zellen saßen, wusste er, dass sich hier etwas Übernatürliches abspielte. Er verstand sofort, vielleicht durch den Geist Jehovas, dass diese beiden Gefangen Beauftragte des “Herrn” waren, deshalb auch sofort seine Frage nach der Rettung. Was jetzt passierte ist doch etwas überraschend, angesichts der Tatsache, dass er als römischer Soldat in Makedonien noch nichts über den jüdischen Glauben, geschweige denn über das Christentum wissen konnte. In der gleichen “Stunde der Nacht” als das Erdbeben stattfand, nahm der Gefängnisaufseher Paulus und Silas mit nach Hause und lies sich einige grundlegende Dinge über den Christus erklären. Was geschah dann “unverzüglich”? Er und seine Familie ließen sich taufen.

- Kein Bibelstudium über Monate oder Jahre

- Keine “Pflicht” des regelmäßigen Versammlungsbesuchs

- Kein Status als “ungetaufter” Verkündiger

- Kein Frage-Antwort-Spiel anhand eines Buches

- Kein Ältestenkollegium, das über “Zulassung” zur Taufe entschieden hätte

- Keine Taufansprache oder Gelöbnis auf eine Organisation

Erkennen wir den Unterschied zu unserer Taufpraxis heute?

Noch ein letztes Beispiel:

“Dieses Wort traf die Zuhörer mitten ins Herz und sie fragten Petrus und die anderen Apostel: »Brüder, was sollen wir tun?« Petrus antwortete: »Kehrt jetzt um und lasst euch taufen auf Jesus Christus; lasst seinen Namen über euch ausrufen und bekennt euch zu ihm – jeder und jede im Volk! Dann wird Gott euch eure Schuld vergeben und euch seinen Heiligen Geist schenken. Denn was Gott versprochen hat, ist für euch und eure Kinder bestimmt und für alle, die jetzt noch fern sind und die der Herr, unser Gott, hinzurufen wird.« Noch mit vielen anderen Worten beschwor und ermahnte sie Petrus. Und er sagte zu ihnen: »Lasst euch retten vor dem Strafgericht, das über diese verdorbene Generation hereinbrechen wird!« Viele nahmen seine Botschaft an und ließen sich taufen. Etwa dreitausend Menschen wurden an diesem Tag zur Gemeinde hinzugefügt.”
(Apg. 2:37-41, Gute Nachricht)

Diese drei biblischen Berichte über die christliche Wassertaufe zeigen überaus eindrucksvoll:

Die christliche Wassertaufe war bei allen “Neuchristen” ein freudiger, emotionaler und sehr spontaner Gefühlsausdruck der Erkenntnis über den Herrn Jesus Christus und seiner Erlösungstat!

Menschen erkannten ihre Sündhaftigkeit und glaubten an den Weg zur Rettung und Versöhnung mit Gott, durch seinen Sohn, der für “die Sünden der ganzen Welt”
(1. Joh. 2:2) starb. Diese Erkenntnis traf sie “ins Herz” und bewegte sie dazu sich aus eigenem Antrieb und ohne Verzögerung im “Namen Jesu Christi” taufen zu lassen.

Für einige Leser stellt sich jetzt vielleicht die Frage des Apostels Paulus neu:

“In was bin ICH eigentlich getauft worden?

PS. Die Antwort auf diese entscheidende Frage kann nur jeder für sich selbst geben. Was stand bei deiner Taufe für dich im Vordergrund? Das Erkennen der eigenen Sündhaftigkeit und der Glaube an den Weg der Rettung und Versöhnung mit Gott, durch seinen Sohn Jesus Christus, oder das “Hingabeversprechen” an Gott durch eine Religionsorganisation?

Die auf die Bibel gegründete Taufansprache, die nächste Woche hier erscheint, mag dir helfen weitere Antworten auf deine Fragen zu bekommen.

Was nimmt den wichtigsten Platz ein in deinem Leben?

Was nimmt den wichtigsten Platz ein in deinem Leben?

Von Bruder K.E. (Die nachfolgenden Erörterungen entsprechen unserer Erkenntnis und unserem derzeitigen biblischen Verständnis, und erheben nicht den Anspruch in allen Punkten richtig zu sein. Sie möchten zum Nachdenken anregen. Für Fehler in Wortgrammatik, Wortbildung, Satzgrammatik und Rechtschreibung möchten wir uns entschuldigen. Wir hoffen dennoch, dass die Gedanken verstanden werden.

Diese Frage wird uns immer wieder gestellt, so auch im WT 15. Juni 2012 mit dem Studienartikel ” Der Dienst für Jehova hat Priorität – Warum?

Wenn man diesen Artikel gelesen hat, muss man sich ernsthaft Fragen ” erwartet das Jehova Gott wirklich von uns Menschen?” Genügt dass, was wir als Forderung Gottes an uns Menschen in Micha 6:8 lesen Jehova nicht mehr?

Womit soll ich vor Jehova treten? [Womit] soll ich mich beugen vor Gott in der Höhe? Soll ich mit Ganzbrandopfern vor ihn treten, mit einjährigen Kälbern? Wird Jehova an Tausenden von Widdern Gefallen haben, an Zehntausenden von Ölbächen? Soll ich meinen erstgeborenen Sohn für meine Auflehnung geben, die Frucht meines Leibes für die Sünde meiner Seele? Er hat dir mitgeteilt, o Erdenmensch, was gut ist. Und was fordert Jehova von dir zurück, als Recht zu üben und Güte zu lieben und bescheiden zu wandeln mit deinem Gott?” Micha 6:6-8 NWÜ

Die Quintessenz des WT-Artikels auf die Frage “Was fordert Jehova von dir” aber lautet? Deine Zeit, deine Kraft und dein Geld” Es ist schon mehr als dreist, diese vermeintlichen Forderungen Jehovas mit dem angeblichen “Hingabegelübde” zu verbinden, und so einen Druck aufzubauen.

ZITAT Sinngemäß S. 20, Abs. 1
“Durch meinen Taufe möchte ich versprechen meine Zeit, Kraft und Mittel für Jehova einzusetzen”.

Ohne jetzt besonders zu zeigen, das dies eine völlig entstellte Wiedergabe vom Sinn der Taufe ist, hat wohl keiner, der sich in der Vergangenheit taufen ließ daran gedacht, das er Jehova versprochen hat von nun an keine persönlichen normal menschlichen Ziele wie Erfüllung im Beruf, Familie und Kinder oder andere Ziele verfolgen. Der immer wiederkehrende Aufruf, das jeder, der auch nur irgend wie die Möglichkeit hätte, den Pionierdienst ergreifen sollte um sein Hingabegelübde zu erfüllen und seine Liebe zu Jehova der Menschheit unter Beweis zu stellen ist für viele von uns schon lange nicht mehr erträglich.

Als Beweis für die freudige Begeisterung, die der Pionierdienst angeblich bei den meisten erzeugen würde wird die Aktion der besonderen Pioniertätigkeit in den Versammlungen vor dem Gedächtnismahl hochgelobt. Zitat sinngemäß S. 23, Abs. 14
” Millionen machten bei dieser Aktion mit, und es war, als ob die Versammlungen vor Freude und Begeisterung sprühten”

Tatsache war, das die freudigen Pioniere am Ende des Monats mit hängender Zunge versuchten noch die letzten fehlenden Stunden irgendwie zusammenzukratzen, um sich dann im folgenden Monat erst einmal von den Strapazen zu erholen.

Der große “Zeiteinsatz” des angeblichen Volkes Gottes, wird er von Gott gesegnet?

Zitat sinngemäß WT 15.6.2012, S.24, Abs. 18 ” Gottes Volk zeigt großen Einsatz – Doch manch einer denkt; Pionierdienst liegt mir nicht, doch wenn wir Jehova darum bitten, wird er den Wunsch in uns wecken.

Als biblischer Beweis wird Philp. 2:13 angeführt. Doch spricht Paulus hier davon, das Gott uns so beeinflussen wird, das wir den Pionierdienst durch führen wollen wenn wir den Wunsch verspüren? Paulus hatte unsere Rettung im Sinn, nicht unseren “Dienst”, in welcher Form auch immer.

Arbeitet mit Furcht und Zittern an eurer Rettung. Und doch ist es Gott allein, der beides in euch bewirkt: Er schenkt euch den Willen und die Kraft, ihn auch so auszuführen, wie es ihm gefällt. Philp. 2:13 Hfa

Paulus wollte nichts anderes sagen, als das wir, wenn wir auch an unserer Rettung arbeiten, es doch Gott ist der unsere Rettung bewirkt. Betrachten wir den Zustand des angeblich “neuzeitlichen Volkes Jehovas” so fragen sich viele, ist hier der Segen Jehovas zu spüren?

So manch einer von uns würde gerne mit christlichem Freimut der Rede darauf verweisen, dass es gerade auch die unangebrachte und unbiblische Überbetonung des Predigtwerks ist, die mit zu dem innerlich maroden Zustand der Organisation geführt hat und auch viele physisch und psychisch krank gemacht hat.

Sicherlich gehört das Zeugnis im Wort auch zu dem was von einem Christen erwartet wird, doch es ist nicht wichtiger als andere christliche Werke, auf die die Bibel z. B. in Jakobus 1:27 verweist.

Durch die Umschlagbilder der Studienausgabe des Wachtturms, wo wir nur Bilder von jungen glücklichen Menschen sehen, für die es offenbar nichts schöneres gibt, mit den Publikationen der WT-Gesellschaft in der Hand in malerischem Umfeld ihren Dienst für Gott durchzuführen, wird uns jeden Monat der Eindruck vermittelt, dass es nichts wichtigeres auf dieser Welt gibt. Aber obwohl die Gehirnwaschaktion auf vollen Touren läuft, ist der Erfolg mäßig wenn nicht sogar gleich Null.

Der marode und geistlose Zustand lässt sich auch nicht mit dieser pausenlosen Antreibermentaltät aufhalten. Diese Antriebsmentalität führt nur dazu, dass wir bei jeder normalen täglichen Tätigkeit und bei allen normalen Zielen, die z. B. ein junger Mensch anstreben mag ein schlechtes Gewissen entsteht, so dass viele entweder krank oder gleichgültig werden.

In den letzten Jahren hatten wir einen Rückgang in der Zahl der Verkündiger, und – was noch mehr wiegt – Tausende haben sich von uns zurückgezogen, und die Gründe dafür liegen auf der Hand.

Viele sind auch dem geistigen Tod nahe, weil sie die aufgesetzte Frömmigkeit so wie die Werkgerechtigkeit nicht mehr ertragen können, die die ganze Organisation durchdringen. Das Thema “Kleidung und äußere Erscheinung” ist mittlerweile so häufig durchgekaut worden, dass einem davon übel werden kann und viele schon gar nicht mehr hinhören, weil es ihnen völlig gleichgültig geworden ist. Die geistige Erbauung der Bruderschaft konzentriert sich auf “Predigen, predigen, und nochmal predigen so wie Wachsamkeit, Reinheit und absoluten Gehorsam dem Sklaven gegenüber.

Um diesen Themen ein biblisches Fundament zu geben werden Aussagen der Bibel sowie Ereignisse und Personen entstellt und aus dem Zusammenhang der biblischen Botschaft gerissen. Die klare und einfache “Gute Botschaft” wie sie die Apostel verkündigten und lehrten ist für uns nicht mehr erkennbar.

In Brooklyn erkennt man leider anscheinend nicht, dass der schlechte Geist so wie viele Schwierigkeiten in den Versammlungen von den Anweisungen der Gesellschaft herrühren und nicht von den Brüdern in den Versammlungen. Die Brüder werden immer stärker angetrieben, in den Predigtdienst zu gehen, so als sei dies ein Allheilmittel. Mit dieser unerträglichen Betonung des Verkündigungswerks wird der heiligen Geist betrübt.

In zunehmender Intensität werden Bibeltexte aus dem Zusammenhang gerissen und verdreht um den Predigtdienst als das wichtigste für einen Christen zu belegen. Eine der schlimmsten Beispiele von Schriftverdrehung zeigt sich am Beispiel von Matth. 24:14, ein Bibeltext, den jeder Zeuge Jehovas im Schlaf aufsagen kann.

Der Text in Matthäus 24:14 wird als das wichtigste Gebot Jesu für einen Christen bezeichnet, was es einfach nicht ist. Analysiert man das griechische Wort kerychthesetai (wird gepredigt werden), so steht es in der dritten Person Indikativ Futur Passiv. Es ist kein Imperativ und hat keinerlei Gebotscharakter. Es handelt sich um eine Feststellung, es wird gepredigt werden.

Auch der Auftrag, den Jesus seinen Jüngern vor seiner Himmelfahrt gab “geht hin und macht Jünger” ist kein Gebot, das alle die an Christus glaubende zu erfüllen haben. Ganz abgesehen davon, dass, wie Paulus sagt dieser Auftrag schon im 1. Jahrhundert u. Z. von den Aposteln und Jüngern erfüllt wurde. Warum immer wieder diese schon Gebetsmühlenartig vorgetragene “Ermunterung” für den Predigtdienst?

Bedingungsliebe

Nach dem Verständnis unserer Organisation ist die Liebe Jehovas zum Menschen davon abhängig, ob und wie sich jeder einzelne für die “Organisation Jehovas” einsetzt und deren wechselhafte Bibelinterpretationen entsprechend loyal vertritt. Für Zuwendung wird der hohe Preis der eigenen Freiheit gefordert. Liebe wird pervertiert, indem sie zugeteilt oder verweigert wird, um zu kontrollieren und Macht auszuüben.

Pauschale Leistungszwänge

Unter der Prämisse, daß der Mensch im Grunde sehr faul und träge sei, -der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach”, wird angenommen, dass diese ständige Ermahnungen, Ansporn, Kontrolle, verkauft als “Ermunterung” benötigt wird, um sich für das “ewige Leben” zu qualifizieren. Viele Brüder sind schon soweit, das sie selbst von sich sagen, ja wenn der t.u.v.S. Mich nicht immer wieder “Ermuntern” würde, würde ich noch weniger im “Dienst” stehen. Welch eine krankhafte Glaubenseinstellung.

Insgesamt wird dem einfachen Verkündigern die negative Grundeinstellung zum Menschen als sündigem Geschöpf immer wieder unterbreitet. Die Anerkennung Gottes bekommen wir weder geschenkt, noch haben wir sie uns trotz äußerster Anstrengungen letztendlich wirklich verdient.

Zwang zum Glücklich sein, Hang zum Perfektionismus und ein sektiererisches Verständnis von Loyalität, um den Namen Jehovas nicht zu beschmutzen, Satan Lügen zu strafen und vor der “Welt” durch christliches Verhalten ein gutes Zeugnis für den “einzig wahren Glauben” abzulegen ist die Basis unserer Belehrung.

Dieser ständige Konflikt zwischen den überhöhten Anforderungen durch den “Sklaven” und der persönlichen Realisierbarkeit läßt viele von uns eine Art von Doppelleben führen. Andere, und das sind gemäß meiner Erfahrung nicht wenige, ertragen die ständige Überforderung nicht mehr, so daß sie unter schweren Depressionen leiden, oder die Versammlung schon nach wenigen Jahren wieder verlassen.

Berufungen auf Jeremia, Noah, Paulus als Vorbild für jeden missbraucht.

Dieser Leistungsdruck wird noch verstärkt, indem man grundsätzlich “vorbildliche Glaubensmänner der alten Zeit” als Vorbild für jeden “kleinen Verkündiger” missbraucht. So auch wieder im oben zitierten WT 15. 6. 2012 S. 20. Predige furchtlos wie Noah, Jeremia, Paulus u.s.w. so als ob jeder zum Prediger berufen ist.

Da wird Noah bildlich dargestellt, wie er angeblich als “Prediger der Gerechtigkeit” von Haus zu Haus geht, um die Menschen zu warnen. Doch Noah hatte keinen Auftrag von Gott den Menschen eine Gerichtsbotschaft von Haus zu Haus oder wie auch immer zu verkündigen, denn von Jehovas aus war nicht vorgesehen dass außer Noah und seine Familie noch irgend welche Menschen errettet werden sollten oder konnten.

Als die Menschen immer zahlreicher wurden und sich auf der Erde ausbreiteten, sahen die Gottessöhne, wie schön die Töchter der Menschen waren, und nahmen sich die zu Frauen, die ihnen gefielen. …Jahwe aber sah, wie groß die Bosheit der Menschen auf der Erde war. Ihr ganzes Denken und Streben, alles, was aus ihrem Herzen kam, war immer nur böse. Da beklagte Jahwe es, den Menschen erschaffen zu haben, und es schmerzte ihn bis in sein Innerstes hinein. Er beschloss: “Ich werde den Menschen, den ich geschaffen habe, vom Erdboden wegwischen, samt dem Vieh, den Kriechtieren und Vögeln, denn ich bedaure, sie gemacht zu haben.” Nur Noah fand Gnade vor Jahwe. …. Denn ich, ich werde die Flut kommen lassen, eine Wasserflut über die Erde. Alles Lebendige soll darin umkommen, alle Menschen und Tiere. 1. Mos. 6:1-12

Inwiefern war Noah in den Augen von Petrus ein “Prediger der Gerechtigkeit?” Nicht dadurch, das er von Haus zu Haus ging oder öffentlich die Menschen zur Umkehr ermahnte, so wie Jona im Auftrag Gottes die Bewohner von Ninive aufforderte umzukehren, sondern dadurch, das er sich durch sein Leben als ein Verkündiger der Gerechtigkeit Gottes erwies.

Der “Gerechte ” im Alten Testament ist ein Mensch, der mit Gott und Menschen im richtigen Verhältnis lebt und sich nach Gottes Geboten richtet. Er steht im Gegensatz zu dem, der sich an Gott und Menschen schuldig macht, dem Gottlosen, dem Frevler, so wie es die Zeitgenossen Noahs waren.

Von daher ist die Behauptung aus dem WT Artikel unehrlich wenn gesagt wird, ZITAT S. 21, Abs. 4: Noah kündigte das drohende Gericht Jehovas an. Nicht umsonst bezeichnet Petrus ihn als einen Prediger der Gerechtigkeit. Er bemühte sich seinen Mitmenschen den Ernst der Lage klarzumachen.” Zitat Ende.

Noah erwies sich als “Prediger der Gerechtigkeit”, weil er untadelig vor Gott lebte und dadurch Zeugnis für die gerechten Grundsätze Gottes ablegte. 1. Mos. 6:9 Aber leider ist das Wort “predigen” bei uns nur mit “Predigtdienst” belegt, predigen oder Zeugnis ablegen durch einen guten Wandel ist etwas was man ja nicht in Zahlen auf den Berichtszettel bringen kann.

Wenden wir uns dem Jeremia zu, der auch als Beispiel für jeden Zeugen Jehovas herhalten muß, wenn es um Einsatz für die Ziele der Organisation geht.

Auf Seite 22, Abs 4 wird von Jeremia gesagt, das er sich dessen Bewusst war im Schlussteil der Tage zu leben und den Dienst für Jehova an erster Stelle setzte, wie? Natürlich indem er predigt.

Es ist richtig, das Jeremia als Prophet Jehovas den Auftrag hatte seinem Volk eine Gerichtsbotschaft zu verkündigen. Aber in dem Artikel wird so getan, als ob Jeremia von sich aus den Endschluss gefasst habe, um sein ganzes Leben in den Dienst für Jehova zu stellen.

Zitat sinngemäß:
Auf Grund seiner logischen Schlussfolgerungen und Erkenntnis (??) kam er zu dem Schluss, sich in der vom Untergang bedrohten Welt keine Zukunft aufzubauen.” Es wäre Unklug zu viel Zeit in eine Ausbildung zu stecken, da diese Welt sowieso bald vernichtet wird. Zitat Ende.

Mit diesem absurden Gedankengang möchte man uns ebenfalls dahingehend beeinflussen, nur für das wirklich Lebensnotwendige zu sorgen und zu planen.

An dieser Stelle möchte ich auf all die vielen Brüder verweisen, die schon in ihrer Jugend diesen Rat des t.u.v.S. befolgt haben, und heute im Alter in Altersarmut leben und nicht in der Lage sind die im alter anfallenden Kosten für iher Gesundheit aufzubringen. Sie haben ihr Leben voll eingebracht im Predigtdienst und Bauvorhaben der Organisation, -die auch heute wieder große Projekte plant, wie es im Artikel angedeutet wird – um jetzt festzustellen, das sie auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Ist das von Jehova Gott so gewollt?

Betrachten wir den Dienst des Jeremia so wie ihn uns die Bibel schildert, so ist sicherlich schnell zu sehen, das sein Leben nicht als Vorbild für alle Nachfolger Christi in diesem Sinn missbraucht werden darf.

Gleich zu Beginn, im ersten Kapitel wird uns gezeigt, das Jeremia schon lange vor seiner Geburt von Jehova erwählt wurde um als Prophet zu dienen. Es war nicht seine Entscheidung und nicht sein Lebensziel, das er sich erwählte, sondern er wurde erwählt und von Jehova auch bereitgemacht für diese Aufgabe. Keiner von uns muss sich angesprochen fühlen sein Leben wie Jeremia ganz und gar in den Dienst Gottes zu stellen und auf alles zu verzichten, was er für sich als Lebensplanung wünscht. Lesen wir Jeremia 1:4-6

 

Das Wort Jahwes kam zu mir (Jeremia). Er sagte: “Noch bevor ich dich im Mutterleib formte, hatte ich dich erwählt. Noch ehe du geboren wurdest, hatte ich dich geweiht: Zum Propheten für die Völker bist du bestimmt!” Doch ich erwiderte: “Ach mein Herr, Jahwe! Ich kann doch nicht reden, ich bin ja noch so jung!” Da sagte Jahwe zu mir: “Sag nicht, ich bin zu jung! Geh, wohin ich dich sende, und rede, was ich dir befehle! Hab keine Angst vor den Menschen, denn ich bin mit dir und beschütze dich, spricht Jahwe.” Dann berührte Jahwe meine Lippen mit seiner Hand und sagte: “Hiermit lege ich meine Worte in deinen Mund. Pass auf: Von heute an bist du damit betraut, in Königreichen und Völkern auszureißen und abzureißen, zu vernichten und zu verwüsten, zu bauen und zu pflanzen.” Jeremia 1:4-6

 

Natürlich wird auch das Leben und Wirken vom Apostel Paulus gerne gebraucht, um uns zu drängen Einsatz für Jehova zu zeigen. Zitat sinngemäss S. 23 Abs. 11:Pauls war bereit seine Laufbahn im Judentum nicht weiter zu verfolgen. Auf Grund seiner Erkenntnis (??) kam er zu dem Schluss, das alle seine Ziele im Judentum eine Menge Kehricht sind”

Es ist richtig, Paulus ging ganz in seinem von Jesus Christus erteilten Auftrag auf und machte sich zum Sklaven für die Gute Botschaft. Aber nicht auf Grund seiner “Erkenntnis oder seiner Entscheidung”, sondern auf Grund eines Erlebnisses. Auch er wurde von Jesus persönlich erwählt, so wie auch alle anderen Apostel. Immer wieder verweist Paulus darauf, dass er alles nur in der Kraft des Geistes Gottes tun kann. Hätte er nicht die Begegnung mit dem Auferstandenen Christus gehabt wäre sein Leben anders verlaufen. Es ist also auch in seinem Fall unredlich von unserer Organisation so zu tun als ob jeder Christ wie ein “Paulus” diesen Einsatz bringen muss um Gott wohlzugefallen.

Von daher ist die suggestive Frage “Wie steht es um unsere Prioritäten” nicht nur unangebracht sondern auch verwerflich, da sie nur dazu führen kann entweder zu heucheln, oder ein schlechtes Gewissen zu haben.

Auch das Leben Jesu wird bis zur Unkenntlichkeit entstellt interpretiert, um uns in einen Dienst zu drängen, den Jesus nie von uns Menschen erwartet hat. Zeigt das Leben und Wirken Jesu hier auf Erden, das er jeden als seinen Nachfolger berufen hat?

Jesus selbst differenzierte zwischen den verschiedenen Berufungen ganz offensichtlich. Der Zöllner Levi, Matthäus, später Evangelist, wird von der Zollstelle weggerufen. “Folge mir nach!” Er steht auf, lässt seinen Beruf, hinterlässt wahrscheinlich seine Familie und folgt Jesus nach. Ein anderer Zöllner, Zachäus, bleibt in seinem Beruf. Er wird als Bekehrter in seinem Beruf das Evangelium leben. Er wird das Unrecht wieder gut machen und wird obendrein ein gerader und gerechter Zöllner sein. Zu den engsten Freunden Jesu gehören Lazarus, Maria und Marta, diese drei Geschwister sind ihm nicht im Predigtdienst nachgefolgt. Sie sind zu Hause geblieben und haben ihern Besitz behalten, – sie dürften eher wohlhabend gewesen sein, aber Jesus wird dort einkehren und sich ausruhen.

Er hatte bei ihnen ein Zuhause, fast möchte man sagen so etwas wie einen “Stützpunkt” für seine Mission. Wenn wir schauen, wie oft Jesus davon spricht, dass die Jüner, die sozusagen als Missionare unterwegs waren, sich in den Häusern, in denen sie aufgenommen werden, aufhalten sollen, dann denkt man unwillkürlich daran: Da gibt es ein weiteres Netz, nicht nur die unmittelbaren Missionare, sondern die vielen, die bereit sind, ganz praktisch die Missionare aufzunehmen, ihnen ein Dach über dem Kopf zu geben. Luk 10:5-7).

Im Leben Jesu gab es offensichtlich viele solcher Stützpunkte, heute würden wir sagen “Sympathisanten der Mission”, die mit geholfen haben, dass die Missionare tätig sein können. Sie sind in dieser Weise auch Missionare, aber sie sind nicht gerufen mitzugehen.

Ein ganz berührendes Beispiel dafür ist der Besessene von Gerasa, den Jesus von einer schweren Besessenheit geheil hat. Als die Leute Jesus drängen wieder wegzufahren von ihrem Ort, da bittet dieser von Dämonen befreite, er möge mit Jesus mitfahren dürfen, wörtlich ist es genau dasselbe Wort, das es von den Aposteln geheißen hat, “damit er mit ihm sei” Mark 5:8.

Dieser Geheilte möchte Christus nachfolgen. Er möchte sozusagen wie die Apostel mit Jesus mitgehen, in der Mission Jesu dabei sein. Doch welch eine Überraschung: Jesus lässt ihn nicht mitgehen. Er sagt: “Kehre nach Hause zurück zu den Deinen und berichte” – das Wort im Griechischen ist fast dasselbe wie Evangelium: verkünde, berichte – “das, was der der Herr dir getan hat” Mark 5:19. Das wird er eifrig tun, den seine Mission besteht darin einfach zu Hause zu bleiben und Zeugnis zu geben von dem, was sich in seinem Leben durch die Begegnung mit Jesus geändert hat.

All diese Begebenheiten zeigen klar und deutlich, weder Jehova noch Jesus Christus erwarten von uns Menschen bedingungslosen Einsatz als Beweis unseres Glaubens und unserer Liebe zu Gott.

Wir werden nicht durch unsere Werke gerechtgesprochen oder gerechtfertigt, sondern wie Paulus immer wieder hervorhebt, durch Glauben wenn er sagt: “wir werden durch den Glauben allein gerechtfertigt”

Er will damit sagen, das wir auf den Sohn Gottes schauen, den Mittler, der für uns eintritt, unabhängig von Leistung und Verdienst. Wir sind durch Glauben gerecht, d.h. durch das Vertrauen auf die Barmherzigkeit, die uns um Christi willen erwiesen wird. Es geht dem Apostel Paulus darum, uns den Ruhm eigener Gerechtigkeit zu entziehen. Denn er selbst und alle anderen Apostel und Heiligen bekannten , das sie nicht wegen ihrer Taten oder ihres Einsatz für Gott mit Gott versöhnt werden, sondern auf Grund ihres Glaubens und Vertrauens auf die Barmherzigkeit Gottes durch Christus. Deshalb das Wort: Durch den Glauben haben wir Vergebung um seines Sohnes willen. Röm 3:28

Damit wollte Paulus aber natürlich nicht sagen, das wir uns unserer menschlichen Trägheit nicht entgegenstellen sollten. Um gute Werke des Glaubens zu vollbringen müssen wir auch gegen die vom Eigennutz bestimmte Trägheit ankämpfen, sonst ist unser Glaube tot. Diesen Einsatz der Nächstenliebe fordert Gott von uns. Damit aber diese Liebe bei uns entstehen kann, muss Glaube und Vertrauen uf die Barmherzigkeit und Liebe Gottes vorangehen.

Dieser Glaube und das Vertrauen zu Gott und seiner Erlösungstat sollte in unserem Leben den wichtigsten Platz einnehmen, denn die Annahme der Rechtfertigung im Glauben verändert unsere Grundhaltung gegenüber Gott und den Menschen. Dann werden wir in der lage sein, in unserem Unmittelbaren Lebensumfeld Gutes zu tun, ohne unser persönliches Leben aufzugeben, was weder Gott noch Jesus von uns erwarten.

Und was fordert Jehova von dir zurück, als Recht zu üben und Güte zu lieben und bescheiden zu wandeln mit deinem Gott?” Micha 6:6-8 NWÜ

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